Zur Weihnachtszeit – der etwas andere Blogartikel

Heute war ein ganz normaler Abend im Hause Diercks. Wir haben mit den Kindern gemeinsam Abendbrot gegessen und den Tag Revue passieren lassen. Die kleine Tochter gab dabei den neuesten Kinderreim aus der Kita zum Besten („Was schwimmt denn da? Was schwimmt denn da? Ein Krokodil aus Afrika….“) Die große Tochter antwortete auf Fragen nach ihrem Tag mit einem altersgerechten „mmmpff“ oder „gut“ und machte Quatsch mit der kleinen Schwester. Wir versuchten uns dabei auch noch zu unterhalten (naturgemäß mehr schlecht als recht.. ;] ). Danach wurde zwischen „dem bisschen Haushalt“ noch Verstecken gespielt und schließlich war es für die Kinder Zeit, ins Bett zu gehen. Ich las der kleinen Tochter Michel aus Lönneberga vor. Das Licht ging aus. Und irgendwann ließ das Ruscheln und Rascheln nach. Ein gleichmäßiges Kinderatmen verriet, dass sie ins Land der Träume gewechselt war. Die Große war in der Zeit mit dem Herrn Papa gen Hogwarts gereist und begleitete Harry Potter ein paar Seiten weiter bei seinen Abenteuern.

Ein ganz normaler Abend. In einer ganz normalen Familie.

Es gibt aber in der reichen Stadt Hamburg viele Kinder, die so nicht ihren Alltag verbringen. Sie leben mitten unter uns und doch am Rand. Es gibt Kinder, deren Eltern  weder vorlesen, noch mit ihnen zu Abend essen oder ihnen ein Frühstück bereiten oder auf warme Kleidung bei Temperaturen um den Gefrierpunkt achten oder sie fragen „Wie geht es Dir?“. Eltern, die ihren Kindern elementarste Fürsorge vorenthalten – aus welchen Gründen auch immer.

Solchen Kindern bietet die Stiftung Mittagskinder in den oft als “sozialen Brennpunkten” bezeichneten Hamburger Stadtteilen Neuwiedenthal und Kirchdorf-Süd einen festen Anlaufpunkt. Die Kindertreffs der Stiftung sind ganzjährig von montags bis freitags von 13.00 Uhr bis 19.00 Uhr geöffnet. Die Kinder erhalten dort ein warmes, gesundes Mittagessen, Hilfe bei den Hausaufgaben, können Spielen und Experimentieren. Sie können tun, nun ja, was Kinder ebenso tun oder tun können sollten an einem Nachmittag. Ein gemeinsames Abendbrot gibt es auch. Und darüber hinaus – hier muss ich als zweifache Mutter jedes Mal besonders schlucken – können sich die Kinder am Abend ein Frühstück für den nächsten Morgen zusammenpacken. Damit sie nicht mit leerem Magen aus dem Haus und in die Schule müssen.

Neben den harten Fakten, dass die Kinder zu Hause kein Essen und keine vernünftige Kleidung erhalten, obwohl es natürlich auch Wege gibt, Kindern vernünftige Mahlzeiten und angemessene Kleidung mit sehr wenig Geld zu besorgen, bedeutet das, dass Kindern vor allem Eltern fehlen, die sich Ihnen zuwenden, sich kümmern, sich sorgen.

Kinder ohne Frühstück im Magen, ohne Socken in den Schuhen, im Winter, in Deutschland, mitten in Hamburg, mitten unter uns! 

Mir ist das unvorstellbar. Immer noch. Und so bin ich auch dieses Jahr gerne dem Aufruf der jährlich privat (!) initiierten Facebook-Gruppe  “Geschenkpate Hamburg” gefolgt. Die Gruppe organisiert für die Mittagskinder den Besuch eines Weihnachtstheaters (viele von den Kindern kommen nie aus ihrem Viertel heraus, geschweige denn, dass ihnen ein Theaterbesuch möglich wäre) und schaut in Absprache mit der Stiftung, was noch benötigt wird. Benötigt werden bzw. wurden dieses Jahr eben auch wieder Mützen, Schals, Jacken und warme Socken. Dank der Spenden aus der Gruppe “Geschenkpate Hamburg” wird es auch diesmal wieder entsprechende Geschenke bei der Weihnachtsfeier geben können. :-]

Keine Weihnachtskarten, keine Präsente für meine Mandanten und Geschäftspartner

Und nun, werte Mandanten und Geschäftspartner, wissen Sie, warum Sie auch dieses Jahr keine Weihnachtskarte und kein Präsent von mir erhalten werden.

Wie ich letztes Jahr schon schrieb, ist es einerseits unbestreitbar nett ein Kärtchen in Händen zu halten, das Gefühl zu bekommen, es habe jemand an einen gedacht und sich eben darüber zu freuen. Hiermit auch an dieser Stelle wieder so gleich ein ganz herzliches Dankeschön an all diejenigen, die mich bislang mit Weihnachtspost bedacht haben!

Aber abgesehen davon, dass von so manchem, der die Karten vielleicht gleich stapelweise zum Unterzeichnen hingelegt bekommt, auch nicht unbedingt “Hurra!”-Schreie zu vernehmen sind und die Karten – so ist es nun einmal – früher oder später den Weg ins Altpapier und die präsentierten Kulis den Weg in die dunkle Schublade finden, verhält es sich andererseits so, dass man meines Erachtens auf die kleine Freude gut verzichten kann, wenn die Zeit, die Mühe und der monetäre Aufwand auch an andere Stelle wandern kann. An eine Stelle, wo es wirklich und an sich nicht nur zur Weihnachtszeit notwendig ist, an diese anderen zu denken.

Und so habe ich eben auch dieses Jahr das Budget für Weihnachtskarten und kleine Präsente an die Stiftung Mittagskinder über die Facebook-Gruppe  “Geschenkpate Hamburg”gespendet. Damit auch diese Kinder weiterhin einen Anlaufpunkt haben. Weiterhin einen Ort finden, der Ihnen das Gefühl gibt, gern gehabt zu werden und dass sich jemand sorgt – um sie. Ein Ort, an dem sie ein kleines Stück vom Glück finden können. Im Theater. Bei der Weihnachtsfeier.

Mein besonderer Dank gilt Tim Jägeler, der die Gruppe vor Jahren ins Leben rief und der immer noch  die Weihnachtsaktion organisiert und koordiniert, obwohl er schon gar nicht mehr in Hamburg lebt.

In diesem Sinne,

ich wünsche allen, eine schöne, besinnliche, freudvolle und friedliche (Vor-)Weihnachtszeit im Kreis der Lieben!

PS: Die Stiftung Mittagskinder freut sich auch im Übrigen immer über Spenden oder Zustiftungen, wenn Sie/ihr helfen wollen/-t, dann guckt einfach mal hier. Das geht auch ganz einfach online!

 

 

Ein Gedanke zu „Zur Weihnachtszeit – der etwas andere Blogartikel

  1. Margit Walter

    Da verzichte ich doch gerne auf Weihnachtspost bei so einer tollen Aktion 😉 Schöne Weihnachten und ein einen guten Start ins neuen Jahr!

    Antworten

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